Begegnungsstätten im Fokus: Zweiter Fachtag des KulTOURnetz motiviert Teilnehmende

Beim zweiten Fachtag des KulTOURnetz trafen sich am 19.09.26 in Freisheim rund 20 engagierte Bürgerinnen und Bürger mit einem klaren Ziel: eigene Ideen und leerstehende Räume zusammenzubringen und gemeinsam über Begegnungsstätten auf dem Land zu sprechen.

Seit einem Jahr entwickelt das KulTOURnetz, angesiedelt bei der Kreisvolkshochschule Ahrweiler und der Kreisverwaltung Ahrweiler, Projekte und Ideen, um die kulturelle Teilhabe im ländlichen Raum zu stärken. Als Teil von „Aller.Land – zusammen gestalten. Strukturen stärken" wird das KulTOURnetz noch bis 2030 im Kreis Ahrweiler mit Ideenreichtum und Tatendrang „touren" und Menschen zusammenbringen. 

Tobias Bäcker von der Projektberatung "pro loco" berichtete von seinen Erfahrungen mit sogenannten Dritten Orten, sozialen und kulturellen Orten, die neben dem Zuhause und dem Arbeitsplatz Begegnungen ermöglichen und fördern. Es sei eine intrinsische Motivation, die viele der Beteiligten antreibe, verlassene oder leerstehende Räumlichkeiten wieder mit Leben zu füllen und Orte für alle zu schaffen. Das wichtigste Kriterium dabei: einfach mal machen, anfangen und Schritt für Schritt schauen, wohin das Projekt führt. Trotz finanzieller, personeller oder struktureller Hürden hätten es die Menschen aus seinen Beispielen geschafft, Dritte Orte zu etablieren – auch wenn es, vom Ende her erzählt, einfacher wirkte, als es tatsächlich war, denn Rückschläge habe es immer wieder gegeben. Ein Dritter Ort, so Bäcker, sei wie ein Webstuhl: Viele unterschiedliche Menschen weben daran mit, und das entstehende Gewebe verändert mit der Zeit immer wieder seine Struktur. Genau deshalb seien multifunktionale statt einseitig genutzte Räume erfolgversprechend. Eine vielseitige Nutzung, bei der Menschen mit unterschiedlichen Interessen und Vorlieben ein- und ausgehen, löst heute traditionelle Konzepte wie die Dorfkneipe ab. Tobias Bäcker hob hervor, dass Begegnungen ohne Anlass oft dazu führten, dass sich mit der Zeit mehr Menschen in neuen Projekten engagierten und sich ein Gefühl von Selbstwirksamkeit einstellen könne, das Gefühl, etwas im eigenen Umfeld verändern zu können und zu wollen. Am Anfang stehen dabei immer Personen, die Verantwortung übernehmen und mit einer Idee aktiv werden.

Drei Best-Practice-Beispiele gab es auch direkt aus dem Kreis Ahrweiler. In Oedingen wurde die Ideenwerkstatt gegründet und hat die leerstehende Raiffeisen-Filiale am Dorfplatz in eine Anlaufstelle für Bewohnerinnen und Bewohner plus Eisdiele verwandelt. In der Ideenwerkstatt können sich alle einbringen, Ideen umsetzen und das Dorfleben mit Aktionen bereichern. So sind unter anderem die Pflanzenbörse und ein Fotowettbewerb entstanden. Das Hoffnungswerk betreibt zwei Cafés, eins in Ahrweiler, eins in Altenahr, und steht mit Zeit, abwechslungsreichem Rahmenprogramm und gutem Kaffee allen zur Seite, die einkehren möchten. Annika Feldges vom KUBI-Netzwerk (kurz für Kultur- und Bildungswerkstatt) des Jugendbüros Altenahr stellte das vielseitige Angebot vor, das neben dem laufenden Programm auch den zweiten Familientag des Jahres am 20.09.26 umfasst und dabei Kinder wie Eltern mitdenkt.

Fotograf: Hans-Jürgen Vollrath / Urheberrecht: Kreisvolkshochschule Ahrweiler e.V.

Beim Thema Kneipensterben beklagten einige Teilnehmende das fehlende Gastronomieangebot auf dem Land und die leerstehenden Gaststätten, die nicht mehr als gesellschaftliche Räume dienten. Auch hier riet Tobias Bäcker, Begegnungsstätten vielfältiger zu denken und kleinteiliger zu beginnen, denn Gastronomie als alleiniges Konzept sei auf ehrenamtlicher Basis zu schwierig. Schnell kamen erste Ideen aus dem Publikum, etwa zunächst Events in Kooperation mit einem Foodtruck zu veranstalten oder eine Art Pop-up-Gaststätte mit einem kulturellen Ereignis zu verbinden.
Jule Wölk nutzte die Chance, auf den Kleinprojektefonds des KulTOURnetz aufmerksam zu machen, mit dem neue, nicht kommerzielle und partizipative Projekte im Kreis Ahrweiler mit 500 bis 2.000 Euro gefördert werden können.
In der Abschlussrunde hatten alle noch einmal die Gelegenheit, den Fachtag kurz zu reflektieren: Zu sehen, dass sich so viele andere ebenfalls für das Zusammenleben einsetzen, bestärkte die Runde darin, sich weiterhin mit kreativen Ideen im Kreis Ahrweiler zu beteiligen. Einfach mal zu machen hat am Samstag dazu beigetragen, dass viele Begegnungen stattfinden konnten und neue Ideen ihren Anfang nahmen.
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